Beim ersten Versuch sah meine Faltlaterne von der Seite eher aus wie ein zusammengefallener Papierfächer. Das lag nicht am Falten, sondern daran, dass ich die Papierstreifen zu breit angelegt und den Rand beim Zusammenkleben schief gezogen hatte. Seitdem nehme ich mir für die Falze etwas mehr Zeit und baue einen schmalen Ring als Stütze ein. Damit wird die Laterne gleichmäßiger, lässt sich gut aufhängen und sieht auch dann ordentlich aus, wenn sie nicht ganz symmetrisch gearbeitet ist.
Die Anleitung ergibt eine etwa 30 Zentimeter hohe Laterne mit senkrechten Ziehharmonikafalten. Sie ist ein dekorativer Blickfang fürs Fenster, den gedeckten Tisch oder einen geschützten Platz im Raum. Für die Beleuchtung eignet sich ausschließlich ein LED-Teelicht oder eine kleine batteriebetriebene Lichterkette. Papier und offene Flammen gehören nicht zusammen.
Material und Maße: lieber Papier, das sauber knickt
Für den Laternenkörper verwende ich ein rechteckiges Blatt von etwa 30 × 42 Zentimetern. Die 42 Zentimeter bilden später den Umfang, die 30 Zentimeter die Höhe. Mit Papier zwischen 80 und 120 Gramm pro Quadratmeter lassen sich die Falten gut vorprägen, ohne dass das Material an den Knickstellen schnell bricht. Besonders schön wirkt leicht durchscheinendes Transparent- oder Laternenpapier; normales, ungestrichenes Bastelpapier lässt sich dafür meist leichter handhaben.
Sehr dickes Tonpapier ist für diese Bauweise weniger geeignet. Es hält zwar seine Form, doch die vielen engen Knicke werden störrisch und können an den Kanten aufreißen. Wenn du ein Musterpapier verwendest, prüfe vor dem Falten, welche Seite später außen liegen soll. Bei einseitig bedrucktem Papier zeigt die bedruckte Seite nach außen. Ein dünner Karton oder festeres Papier eignet sich dagegen gut für die beiden Stützringe.
| Material | So verhält es sich beim Basteln | Geeignet, wenn … |
|---|---|---|
| Transparentpapier | lässt Licht weich durch, kann beim Falten leicht einreißen | du eine ruhige, leuchtende Wirkung möchtest |
| Bastelpapier, etwa 90–120 g/m² | knickt zuverlässig und lässt sich gut kleben | die Laterne beim ersten Versuch stabil werden soll |
| Tonpapier ab etwa 160 g/m² | steht kräftig, ist aber an schmalen Falten schwer zu bändigen | du eine kleinere Laterne mit breiteren Falten planst |
Außerdem brauchst du Lineal, Bleistift, Schere, Klebestift oder doppelseitiges Klebeband, einen Falzbein-Ersatz wie die Rückseite eines Buttermessers und zwei Ringe aus festem Papier. Für die Ringe kannst du Kreise mit etwa 9 Zentimetern Durchmesser ausschneiden und die Mitte so weit entfernen, dass ein Rand von ungefähr 1,5 Zentimetern stehen bleibt. Die Öffnung muss nicht millimetergenau rund sein; wichtiger ist, dass beide Ringe gleich groß sind.
Die Ziehharmonikafalten gleichmäßig anlegen
Lege das große Blatt mit der späteren Außenseite nach unten auf den Tisch. Miss an einer der kurzen Seiten in Abständen von 2 Zentimetern Markierungen ab. Übertrage die Abstände mit dem Lineal auf die gegenüberliegende kurze Seite und verbinde die Markierungen anschließend mit feinen Bleistiftlinien. Bei 42 Zentimetern Breite entstehen so 21 schmale Abschnitte. Ein Restmaß von wenigen Millimetern lässt sich am Rand unauffällig ausgleichen; wichtiger als eine mathematisch perfekte Einteilung ist, dass die Linien parallel laufen.
Ziehe nun jede Linie vorsichtig mit dem Falzbein nach. Drücke nicht so stark, dass das Papier verletzt wird. Falte die erste Linie zu dir, die nächste von dir weg und fahre abwechselnd fort. Es hilft, die Kante des Lineals auf der Bleistiftlinie liegen zu lassen und den Falz daran entlangzuziehen. Wer direkt aus dem Handgelenk faltet, bekommt leicht schräg verlaufende Knicke – beim fertigen Körper sieht man das stärker, als man zunächst denkt.
Schiebe die entstandene Ziehharmonika anschließend vorsichtig zusammen und streiche sie einmal mit der Hand flach. Danach öffnest du sie wieder ein wenig. Die Falten sollen sich deutlich abzeichnen, aber das Papier darf nicht an den Knicklinien weiß werden oder knistern. Bei Transparentpapier ist ein Probestück sinnvoll: Manche Sorten sehen wunderschön aus, brechen aber schon nach wenigen Wiederholungen an der Falzkante.
Aus dem gefalteten Blatt wird ein Laternenkörper
Stelle die Ziehharmonika so auf, dass die beiden langen Kanten des Blattes einander gegenüberliegen. Diese Enden bilden später die Naht an der Seite. Lege etwa einen Zentimeter Klebefläche an einer Kante frei und trage den Kleber dünn und gleichmäßig auf. Führe die andere Kante darauf, richte zuerst die obere und untere Ecke aus und drücke die Naht dann Stück für Stück fest. Bei doppelseitigem Klebeband ist es leichter, die Kanten nicht auf einmal, sondern abschnittsweise zusammenzuführen.
Die Form sieht unmittelbar nach dem Kleben noch etwas kantig aus. Das ist normal: Die gefaltete Fläche braucht Raum, um sich zu öffnen. Stelle den Körper auf den Tisch und verteile die Falten vorsichtig rundherum, bis sich ein leicht eckiger Zylinder ergibt. Ziehe nicht an einer einzelnen Falte, sondern arbeite abwechselnd an mehreren Stellen. So bleibt die Seitennaht geschlossen und die Laterne bekommt einen gleichmäßigen Umfang.
Jetzt kommen die Stützringe ins Spiel. Setze den ersten Ring von oben in den Laternenkörper, etwa zwei Zentimeter unter den Rand. Die äußere Kante des Rings soll die Falten leicht nach außen drücken, aber nicht auseinanderziehen. Klebe den Ring an wenigen, gut verteilten Stellen an den inneren Faltkanten fest. Wiederhole das unten mit dem zweiten Ring. Ein durchgehender Kleberand ist nicht nötig; einzelne Klebepunkte machen spätere Reparaturen einfacher und verhindern, dass das Papier wellig wird.
Griffe, Aufhängung und kleine Korrekturen
Für eine Hängeleuchte aus Papier ist ein eigener Träger sinnvoll. Schneide dafür einen Papierstreifen von etwa 2 × 28 Zentimetern aus und falte ihn längs dreimal, bis ein stabiler schmaler Steg entsteht. Klebe die Enden innen an gegenüberliegenden Stellen des oberen Rings fest. Eine dünne Schnur lässt sich ebenfalls am Ring befestigen, sollte aber nicht direkt an einer empfindlichen Papierfalte hängen. So verteilt sich das Gewicht besser.
Wenn du die Laterne lieber aufstellst, kannst du den unteren Ring zusätzlich mit einem kleinen Pappkreis hinterlegen. Achte darauf, dass dieser nicht so groß ist, dass er die Lichtquelle verdeckt oder die Papierfalten nach innen drückt. Für eine Tischdekoration wirkt es oft schöner, den Boden offen zu lassen und das LED-Licht auf eine separate Unterlage zu stellen. Dann bleibt die Beleuchtung zugänglich, und die Laterne kann nach Gebrauch leicht abgenommen werden.
Schiefe Falten lassen sich manchmal noch korrigieren, solange die Klebestellen nicht vollständig getrocknet sind. Öffne den Körper etwas weiter und richte die betroffenen Knicke von innen aus. Wenn die Seitennaht aufgeht, hilft ein schmaler Streifen Papier als Überlappung; klebe ihn von innen über die Verbindung. Ein sichtbarer Kleberand außen lässt sich dagegen kaum unauffällig kaschieren. Deshalb lohnt sich beim Zusammenfügen ein kurzer Blick auf die Außenfläche, bevor du fest andrückst.
Farbe und Licht: lieber zurückhaltend beginnen
Eine einzelne Farbe lässt die Falten plastisch wirken, besonders wenn das Licht von innen kommt. Wer mehrere Farben verwenden möchte, kann abwechselnd zwei Papierstreifen aneinanderkleben und den so entstandenen Bogen anschließend falten. Das ergibt klare Farbbänder, verlangt aber eine sauber ausgerichtete Naht. Für den ersten Versuch würde ich beim einteiligen Blatt bleiben und die Laterne außen mit kleinen ausgeschnittenen Formen ergänzen. Zu viele aufgeklebte Elemente machen das Papier schwer und können die Form aus dem Gleichgewicht bringen.
Setze ein LED-Teelicht mittig auf eine stabile Unterlage oder befestige eine batteriebetriebene Lichterkette locker am inneren Ring. Das Licht sollte nicht dauerhaft an einer Stelle gegen das Papier drücken. Bei einer Lichterkette verteile ich die kleinen Leuchten lieber in der Laterne, statt das Kabel straff zu spannen. So bleibt der Körper offen und die Lichtpunkte zeichnen sich angenehm durch die Falten ab.
Verwende keine Kerze mit echter Flamme – auch dann nicht, wenn die Laterne groß genug wirkt oder das Papier scheinbar weit genug entfernt ist. Zugluft, eine verrutschte Laterne oder ein umfallendes Licht können die Situation in Sekunden verändern. Eine dekorative Faltlaterne ist für LED-Beleuchtung gedacht; sie ist kein Windlicht für ein offenes Feuer.
Was beim ersten Versuch oft anders läuft als geplant
Wenn die Laterne oben enger ist als unten, wurden die Falten wahrscheinlich nicht überall gleichmäßig geöffnet oder die Stützringe sitzen nicht mittig. Schiebe den Ring zunächst vorsichtig an die gewünschte Stelle, bevor du ihn festklebst. Ist der Papierkörper insgesamt zu steif, sind die Streifen womöglich zu schmal oder das Papier zu schwer. Eine zweite Laterne mit 2,5 Zentimeter breiten Abschnitten wirkt ruhiger und lässt sich leichter formen.
Wirkt das Licht kaum durch das Papier, liegt das nicht zwingend am LED-Licht. Farbiges oder dichtes Papier schluckt mehr Helligkeit als Transparentpapier. In diesem Fall kannst du an einigen Faltflächen kleine Fenster ausschneiden. Zeichne die Formen bei zusammengeschobener Ziehharmonika nur auf die mittleren Bereiche und lasse oben, unten und an der Seitennaht einen breiten Rand stehen. Wer zu nah an den Rand schneidet, schwächt den Körper genau dort, wo er Halt braucht.
Am Ende darf man der Laterne ruhig ansehen, dass sie von Hand gefaltet ist. Eine Falte, die nicht auf den Millimeter mit der nächsten übereinstimmt, stört selten; meist macht gerade das wechselnde Licht die Oberfläche lebendig. Wenn du die erste Faltlaterne aufhängst, beobachte sie einmal bei Tageslicht und später mit eingeschaltetem LED-Licht. Oft zeigt sich erst dann, welche kleinen Unregelmäßigkeiten tatsächlich auffallen – und welche nur am Basteltisch wichtig schienen.
Zwischen Wolle, Nadeln und neuen Mustern entstehen oft die schönsten Ideen ganz nebenbei. Ob Stricken, Häkeln oder kleine textile Experimente – am Ende zählt das gute Gefühl, etwas Eigenes geschaffen zu haben.

