Beim Aufräumen meiner Weihnachtskiste bleibt jedes Jahr mindestens ein kleines Häkelglöckchen an der Schleife eines alten Päckchens hängen. Es ist nicht ganz gleichmäßig, die Kante ein wenig wellig – und gerade deshalb mag ich es. Solche Glocken sind schnell gehäkelt, brauchen kaum Garn und lassen sich gut nebenbei anfertigen. Damit sie nicht wie ein unförmiger Beutel aussehen, kommt es allerdings auf den Übergang vom schmalen oberen Teil zum ausgestellten Rand an. In dieser Anleitung arbeiten wir die Glocke von oben nach unten und formen die Öffnung mit gezielten Zunahmen.
Material und Abkürzungen
Für eine Glocke von ungefähr 4 bis 5 cm Höhe nehme ich glattes Baumwollgarn in Stärke sport oder DK und eine Häkelnadel, die etwas kleiner ist als auf der Banderole empfohlen. Mit einer Nadelstärke von etwa 2,5 mm wird das Häkelstück dicht genug, sodass die Füllung nicht durchscheint. Die genaue Größe hängt natürlich von Garn und persönlicher Häkelspannung ab.
- Baumwollgarn, etwa 10 bis 15 g pro Glöckchen
- Häkelnadel passend zum Garn, meist 2 bis 2,5 mm
- Maschenmarkierer oder ein kurzes Stück Kontrastgarn
- Stopfnadel und Schere
- Für den Klöppel: ein kleines Holz- oder Glasperlchen und ein Stück Garn
Verwendet werden Luftmaschen (Lm), feste Maschen (fM), Stäbchen (Stb), Kettmaschen (Km) und Zunahmen. Eine Zunahme bedeutet, dass du zwei feste Maschen in dieselbe Masche häkelst. Die Runden werden in einer Spirale gearbeitet, also ohne abschließende Kettmasche; setze den Markierer jeweils in die erste Masche der neuen Runde. So verlierst du am Glockenkörper nicht unbemerkt den Rundenanfang.
Der Glockenkörper entsteht von der Spitze aus
Beginne mit einem Fadenring. Wer damit nicht gern arbeitet, kann stattdessen zwei Luftmaschen häkeln und die erste Runde in die erste Luftmasche setzen. Beim Fadenring lässt sich das kleine Loch an der Spitze meist sauberer schließen. Ziehe den Ring nach den ersten Maschen fest, aber nicht so kräftig, dass sich das Garn verzieht.
- Runde 1: 6 fM in den Fadenring häkeln.
- Runde 2: Jede Masche verdoppeln. Du hast danach 12 Maschen.
- Runde 3: *1 fM, 1 Zunahme* sechsmal wiederholen. Es sind 18 Maschen.
- Runde 4: *2 fM, 1 Zunahme* sechsmal wiederholen. Es sind 24 Maschen.
- Runden 5 bis 8: Je 24 fM häkeln, ohne weitere Zunahmen.
- Runde 9: *3 fM, 1 Zunahme* sechsmal wiederholen. Die Runde endet mit 30 Maschen.
- Runde 10: 30 fM häkeln.
Nach Runde 4 sieht das Werkstück zunächst wie ein kleiner flacher Kreis aus. Das ist richtig. In den folgenden Runden wächst der schmale obere Teil der Glocke nach unten, bevor Runde 9 die typische ausgestellte Form anlegt. Wenn dein Stück schon vor der Zunahmerunde deutlich wellig wird, ist die Maschenzahl vermutlich nicht bei 24 geblieben. Zähle lieber einmal nach, statt die Wellen später mit Dampf oder kräftigem Ziehen korrigieren zu wollen.
Die festen Maschen sollten gleichmäßig sitzen, aber nicht so stramm sein, dass sich der Körper zusammenzieht. Besonders die ersten Runden werden bei kleinen Projekten schnell fest. Wenn du Mühe hast, die Nadel einzustechen, nimm eine halbe Nadelstärke mehr oder lockere den Faden bewusst ein wenig. Eine dichte Oberfläche ist erwünscht; ein steifes Häkelstück, das sich kaum formen lässt, eher nicht.
Der Rand, der die Glocke erkennbar macht
Für die letzte Runde häkelst du eine einfache Muschelkante. Sie gibt der Öffnung einen sanften Schwung und lässt die Glocke dekorativer wirken, ohne dass du komplizierte Spitzen arbeiten musst. In Runde 10 liegen 30 Maschen. Das passt genau für sechs Wiederholungen des folgenden Musters:
*1 Km in die nächste Masche, die folgende Masche überspringen, 5 Stb in die nächste Masche häkeln, die nächsten 2 Maschen überspringen.* Dieses Muster sechsmal wiederholen. Beende die Runde mit einer Kettmasche in die erste Kettmasche der Runde und schneide den Faden ab. Ziehe das Fadenende durch die letzte Schlaufe.
Die Muschel besteht aus fünf Stäbchen in einer Masche. Ziehe die Stäbchen nicht zu hoch; sonst kippt der Rand nach außen und wird sehr flattrig. Wenn du eine zurückhaltendere Kante möchtest, kannst du statt fünf nur drei Stäbchen pro Muschel arbeiten. Für eine kleine Glocke gefällt mir die kräftigere Variante besser, weil der Rand dann auch aus etwas Abstand gut zu sehen ist.
Aufhängen und Klöppel befestigen
Vernähe zuerst das Fadenende an der Spitze auf der Innenseite. Für die Aufhängung kannst du ein separates Stück Garn durch die oberste Spitze ziehen und zu einer Schlaufe verknoten. Eine Schlaufe aus etwa 8 bis 10 Luftmaschen funktioniert ebenfalls: Führe sie durch die Spitze, sichere beide Enden innen und vernähe sie sorgfältig. Wenn das Glöckchen später an einem Zweig hängt, sollte die Schlaufe nicht nur an einer einzelnen Masche baumeln. Führe den Faden möglichst durch mehrere Maschen der Spitze.
Der Klöppel lässt sich mit einer kleinen Perle nachbilden. Fädle ein Garnstück durch die Perle, knote es darunter und ziehe die beiden Fadenenden von innen durch die Spitze. Die Perle soll in der Glocke hängen und knapp über der unteren Kante enden. Zu lang darf der Faden nicht sein, sonst verschwindet der Klöppel hinter der Muschelkante; zu kurz wirkt er wie ein fester Punkt an der Decke. Knote die Fadenenden innen fest und vernähe sie, bevor du sie abschneidest.
Ein gehäkelter Klöppel aus wenigen Luftmaschen ist eine Alternative, wenn du keine Perle verwenden möchtest. Er klingt natürlich nicht, erfüllt aber denselben dekorativen Zweck. Für kleine Kinder sind lose Perlen und andere Kleinteile ungeeignet. In diesem Fall solltest du auf den Klöppel verzichten oder ihn so befestigen, dass sich nichts lösen kann; gehäkelte Glocken sind nicht automatisch kindersicheres Spielzeug.
Wenn die Form nicht ganz stimmt
Eine Glocke, deren Körper sich nach innen zieht, wurde meist zu fest gehäkelt oder es fehlen Maschen. Kontrolliere zunächst die Zählung: Nach Runde 4 müssen 24 Maschen vorhanden sein, nach Runde 9 genau 30. Ist die Glocke dagegen sehr weich und knickt am Rand ein, hilft ein festeres Garn oder eine kleinere Nadel. Starkes Ausstopfen ist keine gute Lösung. Es drückt den ausgestellten Rand nach außen und nimmt der Glocke ihre leichte Form. Für eine dekorative Aufhängung lasse ich den Körper gewöhnlich ungefüllt.
Bei mehrfarbigen Glöckchen kannst du die Farbe in Runde 9 wechseln. Für einen sauberen Übergang beendest du die letzte feste Masche der vorherigen Farbe bereits mit dem neuen Faden. Ein schmaler Streifen aus metallisiertem Garn sieht hübsch aus, lässt sich aber oft weniger angenehm häkeln und kann steif wirken. Ich verwende es lieber nur für den Rand oder die Aufhängeschlaufe, statt den ganzen Körper damit zu arbeiten.
Auch die Größe lässt sich ohne komplizierte Umrechnung verändern. Für eine kleinere Glocke verwendest du dünneres Garn und eine feinere Nadel; für eine größere kannst du mit dickerem Garn häkeln. Die Maschenzahlen des Musters bleiben dabei gleich. Ändere nicht gleichzeitig Garnstärke und Zahl der Zunahmen, wenn du die Form beibehalten möchtest – sonst ist schwer zu erkennen, wodurch das Ergebnis anders ausfällt.
Kleine Unterschiede machen das Set lebendig
Mehrere Glocken wirken besonders schön, wenn nicht jede exakt gleich aussieht. Eine Muschelkante in Kontrastfarbe, ein schmaler Streifen kurz oberhalb der Öffnung oder eine etwas längere Aufhängeschlaufe reichen oft schon. Für einen natürlichen Schmuck am Fenster nehme ich matte Baumwolle in Creme, Salbei oder warmem Rot. An einem Geschenkband darf es dagegen ruhig ein glänzender Faden sein. Die Glocke ist klein genug, dass auch ein einzelner Garnrest eine Verwendung findet.
Wenn du mehrere Stücke für einen Kranz oder eine Girlande häkelst, arbeite zuerst eine Glocke vollständig und nutze sie als Maß. Kleine Abweichungen entstehen schnell, wenn die Spannung im Laufe des Abends wechselt. Das ist kein Fehler, aber bei einer Reihe direkt nebeneinander fällt eine deutlich größere Glocke auf. Ein kurzer Blick auf die Maschenzahl und die Länge des geraden Körperteils genügt meist, damit die Gruppe zusammenpasst.
Am Ende ist es oft nicht die perfekt gleichmäßige Kante, die ein Häkelglöckchen besonders macht, sondern der kleine Unterschied im Garn oder in der Form. Wenn die Glocke locker hängt und ihr Rand nicht unter Spannung steht, hat sie genau die leichte Bewegung, die sie als Dekoration so angenehm macht. Vielleicht bleibt sie zunächst an einem Geschenk – und landet später, wie so manches handgemachte Stück, Jahr für Jahr wieder in der Weihnachtskiste.
Foto von Anya Chernykh auf Unsplash
Zwischen Wolle, Nadeln und neuen Mustern entstehen oft die schönsten Ideen ganz nebenbei. Ob Stricken, Häkeln oder kleine textile Experimente – am Ende zählt das gute Gefühl, etwas Eigenes geschaffen zu haben.

