Bei selbst gehäkelten Taschen zeigt sich oft erst im Alltag, ob die Garnwahl und die Maschen wirklich zusammenpassen. Eine Tasche, die auf dem Tisch noch formschön aussieht, kann sich mit einer Wasserflasche darin schnell in die Länge ziehen. Für mein erstes tragbares Modell greife ich deshalb lieber zu festen Maschen und einem eher robusten Baumwollgarn als zu einem lockeren, dekorativen Muster. Die folgende Anleitung ergibt eine schlichte Einkaufstasche mit rechteckigem Boden, geradem Korpus und zwei eingearbeiteten Henkeln. Sie ist so aufgebaut, dass Sie die Maße unterwegs anpassen können, ohne bei jeder Änderung den Überblick über komplizierte Muster zu verlieren.
Garn, Häkelnadel und Maschenprobe
Für eine Tasche von ungefähr 30 cm Breite und 25 cm Höhe benötigen Sie etwa 300 bis 400 g Baumwollgarn. Gut geeignet ist ein Garn mit einer Lauflänge von ungefähr 160 bis 180 m auf 100 g. Verwenden Sie dazu eine Häkelnadel zwischen 3,5 und 4,5 mm; welche Größe am besten passt, hängt davon ab, wie fest Sie häkeln. Eine stumpfe Wollnadel zum Vernähen und zwei Maschenmarkierer sind ebenfalls hilfreich. Wer die Tasche später schwer beladen möchte, sollte die Henkel nicht aus einem besonders weichen oder elastischen Garn arbeiten.
Häkeln Sie vor dem Beginn ein kleines Probestück aus festen Maschen. Für die Maße in dieser Anleitung sollten Sie ungefähr 13 feste Maschen und 14 Reihen auf 10 cm erreichen. Die Maschenprobe muss nicht millimetergenau stimmen, sie verrät aber, ob der Stoff zu locker wird. Ist das Probestück deutlich größer, nehmen Sie eine kleinere Nadel; ist es kleiner und fühlt sich sehr steif an, probieren Sie eine größere. Bei einer Tasche ist ein dichtes Maschenbild kein Nebendetail: Es verhindert, dass der Inhalt zwischen den Maschen hervorblitzt und der Boden sich rasch ausdehnt.
Die Anleitung verwendet feste Maschen (fM) und Luftmaschen (Lm). Die Wendeluftmasche am Ende einer Reihe zählt nicht als Masche. Setzen Sie einen Markierer in die erste Masche einer Runde, damit der Rundenanfang nicht unbemerkt wandert. Ich arbeite den Korpus in fortlaufenden Runden; eine Kettmasche zum Schließen ist dort nicht nötig.
Der Boden: erst ein stabiles Rechteck
Schlagen Sie 41 Luftmaschen an. In die zweite Luftmasche von der Nadel aus häkeln Sie eine feste Masche und anschließend in jede weitere Luftmasche ebenfalls eine feste Masche. Sie haben nun 40 Maschen. Für die nächste Reihe häkeln Sie eine Luftmasche, wenden und arbeiten 40 feste Maschen. Wiederholen Sie das, bis insgesamt 14 Reihen gehäkelt sind. Der Boden sollte bei passender Maschenprobe etwa 30 cm breit und 10 cm lang sein. Lassen Sie am Ende einen ausreichend langen Faden zum Vernähen stehen.
Das Rechteck darf sich an den Seiten nicht stark zusammenziehen. Falls die Kanten leicht schräg verlaufen, prüfen Sie beim nächsten Schritt zuerst, ob Sie in jeder Reihe wirklich alle 40 Maschen gearbeitet haben. Gerade die erste und die letzte Masche sind leicht zu übersehen. Ein Markierer in der ersten Masche jeder Reihe kann hier mehr helfen als häufiges Nachzählen.
Vom Boden zum Taschenkörper
Nun wird rund um das Rechteck gehäkelt. Beginnen Sie an einer kurzen Seite und arbeiten Sie eine feste Masche in jede Masche dieser Kante. An der Ecke häkeln Sie drei feste Maschen in die letzte Masche. An der langen Seite nehmen Sie gleichmäßig Maschen aus den Reihenenden auf, ungefähr eine feste Masche pro Reihe. Auch an den übrigen Ecken arbeiten Sie jeweils drei feste Maschen in denselben Eckpunkt, bevor Sie die nächste Kante entlanghäkeln. Auf der gegenüberliegenden kurzen Seite kommt wieder eine feste Masche in jede Masche. Schließen Sie die Runde nicht; markieren Sie stattdessen die erste Masche.
Die Maschenzahl entlang der langen Seiten kann je nach Rand und persönlicher Spannung etwas variieren. Entscheidend ist, dass die aufgenommenen Maschen gleichmäßig verteilt sind: Zu wenige lassen den Boden hochziehen, zu viele bilden kleine Wellen. Legen Sie das Werkstück nach dieser ersten Runde flach hin. Es sollte sich an den Ecken noch etwas nach oben wölben dürfen, aber nicht deutlich kräuseln.
Häkeln Sie eine weitere Runde mit festen Maschen. In die drei Maschen jeder Eckgruppe kommt jetzt jeweils eine feste Masche, ohne zusätzliche Zunahme. So entsteht eine erkennbare Knicklinie zwischen Boden und Seitenwand. Danach wird der Korpus in fortlaufenden Runden weitergehäkelt, jeweils eine feste Masche in jede Masche. Arbeiten Sie, bis die Seitenwand vom Boden aus gemessen etwa 22 bis 24 cm hoch ist. Wenn Sie eine tiefere Tasche möchten, häkeln Sie einfach weitere Runden, bevor Sie die Henkel beginnen.
Henkel, die beim Tragen nicht ausleiern
Bevor Sie die Henkel einarbeiten, legen Sie die Tasche flach hin. Die beiden breiten Seiten sollen jeweils mittig einen Henkel bekommen. Markieren Sie auf jeder breiten Seite einen Abschnitt von ungefähr 12 bis 13 cm. Bei der genannten Maschenprobe entspricht das etwa 16 Maschen; je nach tatsächlicher Maschenzahl kann es etwas mehr oder weniger sein. Achten Sie darauf, dass beide Öffnungen gleich groß sind und an den gleichen Stellen sitzen. Ein leicht versetzter Henkel fällt später beim Tragen sofort auf.
Häkeln Sie bis zum ersten markierten Abschnitt feste Maschen. Arbeiten Sie dann 16 Luftmaschen und überspringen Sie die markierten 16 Maschen der Vor-Runde. Häkeln Sie bis zum nächsten markierten Abschnitt weiter und formen Sie dort den zweiten Henkel genauso. Die Luftmaschenkette sollte nicht stark angezogen werden. Ist sie zu straff, zieht sich der obere Rand zusammen; ist sie sehr locker, werden die Henkel beim Tragen lang. Probieren Sie die Höhe am besten an der Tasche aus, bevor Sie die Kette endgültig festziehen.
In der folgenden Runde häkeln Sie feste Maschen in die Maschen der Tasche und ebenso eine feste Masche in jede Luftmasche des Henkels. Damit die Henkel nicht aus einer einzelnen dünnen Kette bestehen, arbeiten Sie noch eine weitere Runde feste Maschen über den gesamten oberen Rand. Am Anfang und Ende jedes Henkels können Sie je eine zusätzliche feste Masche einarbeiten, wenn dort eine kleine Lücke sichtbar bleibt. Bei einer Tasche für schwere Einkäufe lohnt sich außerdem ein Stoff- oder Lederhenkel, der innen am oberen Rand angenäht wird; für die leichte Alltagstasche reicht die doppelte Häkelkante meist aus.
Eine saubere Kante und ein kurzer Belastungstest
Für den Abschluss häkeln Sie eine Runde Kettmaschen locker in die oberen Maschen. Ziehen Sie den Faden dabei nicht fest an, sonst wird der Rand steifer als der übrige Korpus. Schneiden Sie den Faden ab und vernähen Sie ihn auf der Innenseite über mehrere Maschen hinweg. Dasselbe gilt für den Anfangsfaden am Boden. Fäden, die nur durch eine einzelne Masche gezogen werden, können sich beim Benutzen lösen; führen Sie sie deshalb in eine Richtung und anschließend ein Stück zurück durch das Maschenbild.
Prüfen Sie die Tasche, bevor Sie sie füllen: Stellen Sie sie auf einen Tisch und achten Sie darauf, ob der Boden halbwegs flach liegt. Hängen Sie anschließend ein paar leichte Gegenstände hinein und beobachten Sie, wie stark sich die Henkel dehnen. Baumwolle gibt beim Tragen etwas nach. Wenn die Tasche schon bei geringer Belastung deutlich länger wird, war das Maschenbild vermutlich zu locker oder das Garn zu weich. Eine zusätzliche Innentasche aus Baumwollstoff kann den Boden stabilisieren und verhindert zugleich, dass Schlüssel oder kleine Gegenstände durch größere Maschen rutschen.
Was Sie beim Anpassen im Blick behalten sollten
Die Breite lässt sich am einfachsten über die Luftmaschenkette des Bodens verändern. Für eine größere Tasche schlagen Sie mehr Luftmaschen an und häkeln entsprechend mehr Maschen in jeder Bodenreihe. Die Länge des Bodens verändern Sie dagegen über die Zahl der Reihen. Denken Sie daran, dass jede Vergrößerung auch mehr Garn benötigt und dass der Umfang des Korpus dadurch wächst. Die Henkelabschnitte müssen anschließend neu mittig auf den breiten Seiten markiert werden; übernehmen Sie nicht einfach die ursprüngliche Maschenzahl.
Auch Farbe und Garnstruktur verändern den Charakter des Modells. Ein meliertes Baumwollgarn verzeiht kleine Unregelmäßigkeiten im Maschenbild, während bei einer einfarbigen, glatten Fläche jede ausgelassene Masche deutlicher auffällt. Für Streifen können Sie nach einigen Runden die Farbe wechseln. Vernähen Sie die Fäden dann am besten auf der Innenseite, statt sie lange am Rand mitzuführen: Das ergibt eine sauberere Kante und vermeidet dicke Stellen. Wenn Sie beim ersten Versuch schlicht bleiben, sehen Sie besser, ob Ihnen die Größe und die Spannung des Stoffes im Alltag gefallen.
Eine gehäkelte Tasche muss nicht makellos aus der Nadel kommen, um gern benutzt zu werden. Meist sind es gerade die kleinen Entscheidungen unterwegs – ein etwas breiterer Boden, ein Henkel, der gut in der Hand liegt, eine Runde mehr am oberen Rand –, die aus einer Anleitung ein eigenes Stück machen. Legen Sie die fertige Tasche einmal neben die Schuhe oder den Mantel, mit denen Sie sie tragen möchten. Oft zeigt sich dann, ob sie nur ein gelungenes Häkelprojekt ist oder schon bereit für den Weg nach draußen.
Holz, Werkzeug und ein guter Einfall – mehr braucht es oft nicht für ein spannendes Projekt. Besonders reizvoll sind einfache Lösungen, die im Alltag wirklich funktionieren und auch nach Jahren noch Freude machen.

