Haben Sie schon einmal ein Tuch um die Schultern gelegt und gemerkt, dass es genau dann verrutscht, wenn Sie beide Hände brauchen? Für meinen gestrickten Wickel wollte ich eine Lösung, die wärmt, sich bequem überlappen lässt und nicht ständig zurechtgezupft werden muss. Herausgekommen ist ein schlichtes, längliches Tuch mit zwei Bindebändern. Es ist kein kompliziertes Kleidungsstück, aber ein paar Entscheidungen am Anfang machen den Unterschied zwischen einem Wickel, der gern getragen wird, und einem, der im Schrank bleibt.
Was bei dieser Anleitung entsteht
Ich verstehe unter einem gestrickten Wickel hier ein weiches Schulter- und Hüfttuch, das um den Oberkörper gelegt und mit Bändern geschlossen wird. Es besteht aus einem langen Rechteck; Ärmel, komplizierte Abnahmen oder zusammengenähte Einzelteile gibt es nicht. Das macht das Modell gut überschaubar, auch wenn Sie noch nicht lange stricken. Die Form lässt sich später über einer Bluse, einem Kleid oder einem dünnen Pullover tragen.
Als Ausgangsmaß empfehle ich ungefähr 50 cm Breite und 180 cm Länge. Das Tuch kann damit den Rücken bedecken und vorn ausreichend überlappen. Wenn Sie es eher als kurzen Schulterwärmer tragen möchten, reichen meist 160 cm Länge. Für eine großzügige Wicklung oder eine größere Körperhöhe sind 190 bis 200 cm angenehmer. Die Breite lässt sich ebenfalls anpassen: 45 cm wirken leichter, 55 cm geben mehr Wärme und mehr Stoff zum Drapieren.
Die Anleitung ist für einen schlichten kraus rechts gestrickten Wickel gedacht. Dabei werden Hin- und Rückreihe rechte Maschen gestrickt. Das Muster ist beidseitig gleich, rollt sich kaum ein und verzeiht kleine Unregelmäßigkeiten. Gerade bei einem langen Stück ist das beruhigend: Man muss nicht nach jeder Reihe prüfen, ob man sich im Muster vertan hat.
Garn, Nadeln und eine Maschenprobe, die sich lohnt
Wählen Sie ein Garn, das sich angenehm auf der Haut anfühlt und nicht zu schwer wird. Für ein Tuch dieser Größe eignen sich je nach Lauflänge ungefähr 400 bis 500 g Garn in mittlerer Stärke. Merinowolle ist weich und wärmt gut; ein Wollmischgarn mit etwas Polyamid ist oft pflegeleichter. Baumwolle kann schön fallen, bringt bei dieser Fläche aber mehr Gewicht mit und wärmt weniger. Sehr flauschige Garne machen die Maschen schwer erkennbar und sind beim Aufribbeln mühsamer.
Beginnen Sie mit einer Maschenprobe im geplanten Muster. Stricken Sie ein Stück von mindestens 15 × 15 cm, waschen Sie es so, wie Sie später das fertige Tuch behandeln möchten, und lassen Sie es liegend trocknen. Messen Sie erst danach. Für die Beispielmaße rechne ich mit 20 Maschen und 36 Reihen auf 10 cm in kraus rechts. Die Reihenhöhe kann je nach Garn und Handhaltung deutlich schwanken; für die Breite ist vor allem die Maschenzahl entscheidend.
| Ausgangspunkt | Beispiel | Was Sie anpassen |
|---|---|---|
| Breite des Tuchs | 50 cm | Maschenzahl nach der eigenen Maschenprobe |
| Länge des Tuchs | 180 cm | Reihen stricken, bis die gewünschte Länge erreicht ist |
| Nadelstärke | 4 mm | Eine größere oder kleinere Nadel verändert den Fall |
| Bindebänder | 2 Stück, je etwa 45 cm | Nach gewünschter Bindeposition verlängern oder verkürzen |
Der Wickel wird Reihe für Reihe aufgebaut
Bei einer Maschenprobe von 20 Maschen auf 10 cm benötigen Sie für 50 cm Breite rechnerisch 100 Maschen. Schlagen Sie also 100 Maschen locker an. Wenn Sie eher fest anschlagen, nehmen Sie eine halbe Nadelstärke größer oder achten Sie bewusst darauf, den Anschlag nicht zusammenzuziehen. Eine zu enge erste Kante ist später unangenehm, weil sie das ganze Tuch optisch und beim Tragen begrenzt.
Stricken Sie anschließend jede Reihe rechts. Damit die Seitenkanten ordentlich aussehen, heben Sie in jeder Reihe die erste Masche wie zum Rechtsstricken ab, ohne sie zu stricken, und stricken die letzte Masche rechts. Ziehen Sie den Faden an der ersten Masche nur leicht an. Wird er zu fest angezogen, kann sich die Kante zusammenziehen; bleibt er zu locker, entstehen größere Schlaufen. Nach ein paar Zentimetern sehen Sie meist schon, ob die Spannung passt.
Markieren Sie sich die Vorderseite nicht unbedingt – bei kraus rechts gibt es keine rechte und linke Seite. Hilfreicher ist ein Maßband oder ein kleines Notizblatt, auf dem Sie die bereits gestrickte Länge festhalten. Bei einem langen Rechteck können sich 20 cm mehr oder weniger beim Wickeln deutlich bemerkbar machen. Messen Sie das Werkstück entspannt auf einer ebenen Fläche und ziehen Sie es dabei nicht in die Länge.
Stricken Sie weiter, bis das Tuch ungefähr 180 cm misst. Falls Sie nach Reihen zählen möchten, wären das bei der angegebenen Maschenprobe etwa 648 Reihen. Diese Zahl ist nur eine Orientierung: Manche Garne ergeben in kraus rechts weniger Reihen auf 10 cm, andere mehr. Verlassen Sie sich deshalb auf das Maß am Tuch und nicht auf eine Reihenangabe, die für ein anderes Garn berechnet wurde.
Bindebänder, die halten, ohne aufzutragen
Für den Verschluss eignen sich zwei schmale I-Cord-Bänder. Schlagen Sie dafür jeweils drei Maschen an und stricken Sie sie rechts. Schieben Sie die Maschen am Ende der Reihe wieder zum anderen Ende der Nadel, ohne die Arbeit zu wenden, und stricken Sie erneut rechts. Wiederholen Sie das, bis das Band etwa 45 cm lang ist. Diese kleine Rolle ist stabiler als ein flach gestricktes Band und verdreht sich beim Binden weniger.
Wenn Sie noch keinen I-Cord gestrickt haben, können Sie stattdessen ein schmales Band aus vier oder fünf rechten Maschen arbeiten. Es wird flacher und ist schnell fertig, kann sich aber an den Rändern etwas einrollen. Machen Sie die Bänder lieber zunächst etwas länger als zu kurz: Nach dem Anprobieren lässt sich ein Ende immer noch kürzen, während ein knapp bemessenes Band beim Binden schnell stört.
Stecken Sie den Wickel zunächst so ab, wie Sie ihn später tragen möchten. Legen Sie ihn um den Körper und bestimmen Sie, an welcher Stelle die Bänder sitzen sollen. Nähen Sie je ein Band an die beiden seitlichen Kanten, ungefähr auf Taillenhöhe oder dort, wo sich die überlappenden Stofflagen treffen. Sichern Sie die Ansatzstelle mit mehreren festen Stichen durch die Kante. Ein einzelner lockerer Faden hält die Zugbelastung beim Binden nicht lange aus.
Waschen, spannen und die Passform prüfen
Vernähen Sie alle Fadenenden sorgfältig auf der Rückseite des Tuchs und der Bänder. Waschen Sie das fertige Stück nach den Angaben auf der Garnbanderole. Legen Sie es anschließend flach auf ein trockenes Handtuch und richten Sie die Kanten vorsichtig aus. Starkes Ziehen bringt bei kraus rechts gestricktem Stoff selten ein besseres Ergebnis; es kann die Maschen auseinanderziehen und die Form dauerhaft verändern.
Probieren Sie den Wickel an, sobald er trocken ist. Die vorderen Kanten sollten sich so weit überlappen, dass das Tuch beim Gehen nicht sofort auseinanderfällt. Rutscht es von den Schultern, können Sie die Bänder etwas höher oder weiter innen annähen. Hängt der Stoff vorne schwer herunter, ist vielleicht eine kürzere Länge angenehmer. Diese kleine Anpassung gehört für mich zum Stricken dazu: Die Maße auf dem Papier sind ein Startpunkt, aber erst am eigenen Körper zeigt sich, wo der Wickel wirklich sitzen soll.
Wenn das Ergebnis anders aussieht als geplant
Wirkt das Tuch zu steif, ist das Garn möglicherweise zu fest verstrickt oder die Nadel zu klein. Eine größere Nadel kann den Fall verbessern, verändert aber zugleich die Breite und den Verbrauch. Machen Sie deshalb zuerst eine neue Maschenprobe, statt gleich das ganze Stück aufzuribbeln. Ist das Rechteck schmaler geworden als gedacht, lässt sich das nicht durch längeres Stricken ausgleichen; dafür müssten Sie die Maschenzahl ändern.
Bei kraus rechts können die Randmaschen am Anfang etwas ungleichmäßig wirken. Das legt sich oft, sobald einige Zentimeter gestrickt sind. Falls eine Kante trotzdem sichtbar wellig wird, prüfen Sie, ob Sie die erste Masche wirklich nur abheben und nicht versehentlich den Faden zu locker lassen. Kleine Unregelmäßigkeiten verschwinden beim Tragen meist im Faltenwurf, aber eine deutlich eingezogene Kante sollte vor dem Fertigstellen korrigiert werden.
Dieser Wickel lebt nicht von einem komplizierten Muster, sondern davon, dass Breite, Länge und Bindeposition zu der Person passen, die ihn trägt. Wenn Sie beim ersten Anprobieren noch ein paar Maschen anders verteilen oder ein Band versetzen, ist das kein Umweg. Es ist der Moment, in dem aus einem gestrickten Rechteck ein Kleidungsstück wird, das sich selbstverständlich um die Schultern legt und nicht ständig daran erinnert, dass es selbst gemacht ist.
Foto von Ursula Castillo auf Unsplash
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