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Herrenpullover stricken – Anleitung gratis – Kostenlose Grundlagen und Tipps zum Stricken eines Herrenpullovers

Herrenpullover stricken – Anleitung gratis – Kostenlose Grundlagen und Tipps zum Stricken eines Herrenpullovers

Bei einem Herrenpullover fällt eine kleine Ungenauigkeit oft später auf als beim Stricken selbst. Auf der Nadel sieht das Vorderteil ordentlich aus, doch angezogen zieht die Schulter, der Ärmel sitzt zu eng oder der Pullover ist am Bauch kürzer als gedacht. Ich plane deshalb lieber eine halbe Stunde für Messen und Maschenprobe ein, bevor ich den Anschlag mache. Das klingt wenig aufregend, erspart aber genau jene Korrekturen, die bei einem großen Kleidungsstück richtig viel Zeit kosten.

Die folgende kostenlose Anleitung beschreibt einen schlichten Pullover von oben nach unten mit Raglanzunahmen. Er wird in Runden gestrickt, hat keine Seitennähte und lässt sich während der Arbeit anprobieren. Das Modell ist bewusst als Grundlage gedacht: Mit glattem Garn und Bündchen entsteht ein ruhiger Alltagsklassiker; ein Streifen, ein Strukturmuster oder ein anderer Kragen können später dazukommen. Entscheidend ist, die Zahlen an die eigene Maschenprobe und an die Maße des zukünftigen Trägers anzupassen.

Erst den Sitz planen, dann die Wolle aussuchen

Ein Pullover soll nicht einfach dem Körpermaß entsprechen. Für Bewegungsfreiheit braucht er Mehrweite: Man misst den Brustumfang über der stärksten Stelle und entscheidet dann, wie viel lockerer das fertige Kleidungsstück sein soll. Bei einem eher körpernahen Modell reichen häufig etwa 6 bis 10 cm, für einen bequemen Pullover über einem Hemd können es 10 bis 16 cm sein. Diese Spanne ist kein Gesetz. Wer breite Schultern hat oder den Pullover gern über einem dicken Shirt trägt, braucht möglicherweise mehr Platz.

Zusätzlich messe ich die Rückenlänge vom Nacken bis zur gewünschten Saumhöhe, die Ärmellänge ab der Schulter und den Oberarmumfang an der kräftigsten Stelle. Ein gut sitzender Pullover aus dem Kleiderschrank ist dabei oft hilfreicher als eine Größentabelle: flach hinlegen und Brustweite, Länge sowie Ärmellänge vergleichen. Die Maße des fertigen Pullovers sind nicht dasselbe wie die Körpermaße. Das wird beim Bestellen von Garn und beim Übernehmen einer Anleitung gern verwechselt.

Für ein erstes Modell eignet sich ein Garn mit klar erkennbarer Maschenstruktur, etwa ein glattes Woll- oder Wollmischgarn. Sehr dunkle Farben und stark flauschige Garne machen es schwerer, Zunahmen zu sehen und Fehler aufzuribbeln. Halte dich bei der Lauflänge an eine Anleitung oder rechne den Bedarf anhand eines ähnlichen Kleidungsstücks aus; die Knäuelzahl allein ist wegen unterschiedlicher Lauflängen kein verlässlicher Vergleich. Kaufe möglichst die benötigte Menge aus derselben Farbpartie und hebe ein Knäuel für spätere Ausbesserungen zurück.

Die Maschenprobe ist Teil der Anleitung

Stricke eine Probe, die deutlich größer ist als 10 mal 10 cm, und zwar im Muster, das den größten Teil des Pullovers ausmacht. Bei glatt rechts strickst du also glatt rechts. Wasche die Probe so, wie du den fertigen Pullover später pflegen willst, lasse sie liegend trocknen und miss erst danach. Wolle kann sich beim Waschen entspannen; eine ungewaschene Probe verrät daher nicht immer, wie das Kleidungsstück am Körper sitzen wird.

Ein Beispiel: Die Anleitung rechnet mit 20 Maschen und 28 Reihen auf 10 cm. Erreichst du auf 10 cm nur 18 Maschen, wird dein Pullover bei gleicher Maschenzahl breiter. Bei 22 Maschen wird er schmaler. Zuerst kannst du eine andere Nadelstärke testen. Ändert sich dadurch die Maschenzahl, während die Maschen zu locker oder zu fest wirken, ist ein anderes Garn oft die bessere Lösung. Die Reihenprobe beeinflusst vor allem die Länge des Raglans und damit, wie tief die Ärmelöffnung sitzt.

Raglan von oben: der Aufbau

Für eine mittlere Herrengröße kann ein fertiger Brustumfang von ungefähr 112 cm ein brauchbarer Ausgangspunkt sein, wenn das Körpermaß und die gewünschte Mehrweite dazu passen. Bei 20 Maschen auf 10 cm entspricht das rund 224 Maschen für den Körperumfang. Das ist eine Rechengröße, keine pauschale Empfehlung für jede Größe. Bei deiner eigenen Probe gilt: gewünschter fertiger Umfang in Zentimetern mit der Maschenzahl pro Zentimeter multiplizieren. Das Ergebnis wird auf eine Zahl gerundet, die zum Muster und zur Aufteilung passt.

Für den Raglananschlag werden Maschen für Vorderteil, Rückenteil und beide Ärmel verteilt; zwischen diesen Bereichen markieren vier Raglanlinien die Zunahmestellen. Häufig bestehen die Linien aus ein oder zwei Maschen. Als grober Startpunkt für einen mittleren Pullover können insgesamt etwa 96 bis 112 Maschen dienen. Wie viele davon auf die einzelnen Bereiche entfallen, hängt von Halsweite, Garn und gewünschtem Ausschnitt ab. Der Halsausschnitt sollte über den Kopf passen, ohne am Hals zu würgen. Bei einem Rundhals darf der vordere Ausschnitt etwas tiefer werden als der hintere.

Nach dem Anschlag setzt du die Markierer und strickst zunächst ein kurzes Bündchen, wenn du einen Rollrand vermeiden möchtest. Danach folgen die Raglanzunahmen: In jeder Zunahmerunde wird beidseits jeder Raglanlinie eine Masche zugenommen, insgesamt also acht Maschen pro Runde. Eine Zunahme kann etwa aus dem Querfaden verschränkt herausgestrickt werden; so entstehen keine Löcher. Zwischen den Zunahmerunden wird eine Runde ohne Zunahmen gestrickt. Bei einem anderen Rhythmus wächst die Passe schneller oder langsamer, deshalb sollte man nicht stur eine bestimmte Rundenzahl übernehmen.

Nach einigen Zentimetern lohnt eine erste Anprobe auf einem langen Rundstrickseil. Die Passe soll über die Schultern reichen, ohne unter den Armen zu spannen. Ein häufiger Fehler ist, nur auf die Länge bis zur Achsel zu schauen: Auch die Breite an Brust und Oberarm muss stimmen. Ist der Körper bereits weit genug, die Ärmelöffnung aber noch zu knapp, kann man die Zunahmen für die Ärmel anders verteilen, statt einfach die Passe weiter zu verlängern.

Körper und Ärmel passend fertigstellen

Wenn die Passe die nötige Tiefe erreicht hat, werden die Ärmelmaschen stillgelegt. Unter jedem Arm schlägst du zusätzliche Maschen an und verbindest Vorder- und Rückenteil zur Runde. Diese Unterarmmaschen schließen die Öffnung und geben Bewegungsraum. Bei der beschriebenen Maschenprobe entsprechen beispielsweise zehn Maschen etwa 5 cm. Das kann passen, muss aber nicht: Bei kräftigen Oberarmen oder einer sehr tiefen Passe ist eine Anprobe aussagekräftiger als die Beispielzahl. Achte darauf, an den Übergängen keine großen Löcher zu lassen; die kleinen Eckmaschen lassen sich später mit dem Fadenende schließen.

Den Körper strickst du bis zur gewünschten Länge glatt rechts oder im gewählten Muster. Miss am besten an einem Pullover, der beim Träger gut sitzt, und berücksichtige, dass ein Bündchen den Saum zusammenzieht. Ein klassisches Bündchen aus zwei rechten und zwei linken Maschen wirkt bei einem schlichten Herrenpullover ausgewogen. Mit einer etwas kleineren Nadel wird es meist stabiler, aber nicht so eng, dass es sich beim Anziehen hochrollt.

Für die Ärmel nimmst du die stillgelegten Maschen wieder auf und hebst die Unterarmmaschen auf. Verteile die Maschen auf Rundstricknadeln, eine lange Rundnadel für die Magic-Loop-Methode oder ein Nadelspiel. Unter dem Arm setzt du einen Markierer; dort kannst du in regelmäßigen Abständen zwei Maschen zusammenstricken, damit der Ärmel nach unten schmaler wird. Wie oft du abnimmst, richtet sich nach Oberarmweite, Handgelenk und Länge. Miss den Ärmel am Körper, statt dich allein auf die Zentimeter einer anderen Anleitung zu verlassen. Das zweite Ärmelstück wird gleichmäßiger, wenn du die Abnahmen des ersten notierst.

Welche Konstruktion passt zu deinem Vorhaben?

Konstruktion Was dafür spricht Worauf du achten solltest
Raglan von oben Während des Strickens anprobierbar, kaum Nähte Die Raglanlinien sind sichtbar und prägen den Sitz an der Schulter
Einzelteile von unten Vorder- und Rückenteil lassen sich gut flach stricken Schultern und Ärmel müssen sorgfältig zusammengenäht werden
Rundpasse Ruhige, gleichmäßig verteilte Abnahmen oder Muster Die Passe braucht eine gute Passform, damit sie nicht zu weit oder zu flach wird

Für den ersten Herrenpullover würde ich meist den Raglan wählen, wenn der Träger eine eher unkomplizierte Passform mag. Wer eine klare Schulterlinie bevorzugt oder ein aufwendiges Muster über die Vorderseite plant, kann mit Einzelteilen besser zurechtkommen. Keine Konstruktion ist automatisch die beste; sie muss zu Körperform, gewünschtem Aussehen und eigener Strickroutine passen.

Kleine Kontrollen, die viel Auftrennen verhindern

Wiege das Garn oder notiere nach jedem größeren Abschnitt, wie viel noch übrig ist. So merkst du früh, wenn ein besonders dichteres Stricken den Verbrauch erhöht. Kontrolliere außerdem beim Übergang von Passe zu Körper, ob Vorder- und Rückenteil gleichmäßig verteilt sind. Bei einem Streifenmuster hilft es, den Farbwechsel unter dem Arm zu platzieren, wo er weniger auffällt. Und wenn du eine Runde unterbrichst, setze eine Sicherheitsnadel oder notiere die letzte vollständig gestrickte Runde – nach einer Pause sehen Raglanzunahmen erstaunlich ähnlich aus.

Nach dem Abketten bekommt der Pullover eine sanfte Wäsche und wird liegend in Form gebracht. Ziehe nicht kräftig an den Ärmeln, sondern richte Brustweite und Länge nach den zuvor notierten Maßen aus. Beim ersten Anprobieren zählt nicht nur der Blick in den Spiegel: Arme nach vorn strecken, hinsetzen und ein Hemd darunter tragen. So zeigt sich, ob der Pullover im Alltag funktioniert.

Ein handgestrickter Herrenpullover wird selten dadurch gelungen, dass man jede Zahl exakt aus einer Anleitung übernimmt. Er wird gut, wenn man zwischendurch hinschaut, misst und bereit ist, eine kleine Anpassung vorzunehmen. Die Maschenprobe und die erste Anprobe sind keine Unterbrechungen des Strickens, sondern der Moment, in dem aus einem gleichmäßigen Stück Gestrick ein Pullover für genau einen Menschen wird.

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