Wie oft soll ein Kinderpullover eigentlich über den Kopf passen, bevor die nächste Wachstumsschübecke erreicht ist? Bei Größe 98 habe ich gelernt, nicht nur auf die Körperlänge zu schauen: Ein etwas bequemer Sitz und Ärmel, die sich später noch umschlagen lassen, machen im Alltag oft mehr aus als ein besonders raffiniertes Muster. Diese Anleitung ergibt einen schlichten Raglanpullover von oben nach unten. Du kannst ihn unterwegs anprobieren und die Länge anpassen, ohne am Ende erst zusammennähen zu müssen.
Gestrickt wird glatt rechts in Runden, mit Bündchen aus abwechselnd rechten und linken Maschen. Das klingt bewusst unkompliziert: Bei einem Kinderpullover sind eine saubere Passform und ein Halsloch, durch das der Kopf bequem kommt, wichtiger als ein Muster, das beim Anziehen ständig Aufmerksamkeit verlangt. Die Angaben passen für eine Maschenprobe von 22 Maschen und 30 Runden auf 10 × 10 cm glatt rechts nach dem Waschen.
Größe, Maße und Material
Größe 98 wird meist für Kinder mit einer Körpergröße um 98 cm gewählt. Kinder sind unterschiedlich gebaut; miss daher nach Möglichkeit einen gut passenden Pullover und vergleiche vor allem Brustweite und Ärmellänge. Der fertige Pullover sitzt bequem, aber nicht übermäßig weit. Die Anleitung arbeitet mit einer Rundpasse und wird nach dem Raglan getrennt in Körper und Ärmel weitergestrickt.
| Angabe | Maß oder Menge |
|---|---|
| Fertiger Brustumfang | etwa 64 cm |
| Länge ab Achsel | etwa 23 cm |
| Ärmellänge ab Achsel | etwa 27 cm |
| Garn | etwa 300–350 g, je nach Lauflänge und Garnwahl |
| Nadeln | Rundstricknadeln 3,5 mm und 4 mm, passende Nadelspiele oder kurze Rundnadeln |
Verwende ein Garn, das sich bei ungefähr 22 Maschen auf 10 cm einpendelt; die Nadelstärke auf der Banderole ist nur ein Ausgangspunkt. Für Kinderkleidung nehme ich gern ein pflegeleichtes Garn, das sich angenehm auf der Haut anfühlt und nach dem Waschen seine Form behält. Zusätzlich brauchst du vier Maschenmarkierer, eine Wollnadel und einen Rest glatten Faden zum Stilllegen der Ärmelmaschen.
Die Maschenprobe nicht überspringen
Stricke ein ausreichend großes Probestück, wasche es so, wie du später den Pullover pflegen möchtest, und lass es liegend trocknen. Erst danach misst du die Maschen. Schon zwei Maschen Unterschied auf 10 cm verändern den Umfang deutlich: Bei einem Kinderpullover kann das den Unterschied zwischen bequem und spürbar eng ausmachen. Ist deine Probe zu breit, probiere eine kleinere Nadel; ist sie zu schmal, eine größere. Verändere nicht einfach die Maschenzahl, bevor du weißt, wie stark deine eigene Handarbeit vom Richtwert abweicht.
Die Maschenprobe sollte in glatt rechts gestrickt werden, denn genau dort entscheidet sich die Weite des Pullovers. Bündchen sind elastischer und lassen sich nicht sinnvoll mit derselben Messung beurteilen. Wenn du zwischen zwei Nadelstärken schwankst, ist ein zweites kleines Probestück meist weniger mühsam als ein fertiges Vorderteil, das nicht passt.
Halsbündchen und Raglanpasse
Schlage mit der kleineren Rundstricknadel 68 Maschen locker an. Verteile sie auf vier Abschnitte: 24 Maschen für das Vorderteil, 10 für den ersten Ärmel, 24 für das Rückenteil und 10 für den zweiten Ärmel. Setze zwischen die Abschnitte je einen Markierer und schließe die Runde, ohne die Maschen zu verdrehen. Stricke 1 rechte, 1 linke Masche im Wechsel für etwa 4 cm. Ein elastischer Anschlag ist hier angenehm, weil ein zu straffes Halsloch beim Anziehen schnell stört.
Wechsle zur größeren Nadel und stricke glatt rechts weiter. In jeder zweiten Runde nimmst du an jedem Markierer beidseitig je eine Masche zu: Stricke bis zwei Maschen vor den Markierer, arbeite eine Zunahme nach links, stricke die beiden Maschen am Markierer rechts und arbeite danach eine Zunahme nach rechts. Wiederhole das an allen vier Markierern. In der Zwischenrunde strickst du alle Maschen rechts. So entstehen pro Zunahmerunde acht neue Maschen, und die Raglanlinien werden gleichmäßig sichtbar.
Wiederhole diese beiden Runden insgesamt 20-mal mit Zunahmen. Danach liegen 64 Maschen am Vorderteil, 64 am Rückenteil und je 50 Maschen an den Ärmeln. Die Passe misst ab dem Halsbündchen ungefähr 17 cm. Das ist ein Richtwert: Bei einem besonders langen Oberkörper kannst du die Passe etwas vertiefen, aber nicht einfach weitere Zunahmerunden stricken, wenn der Brustumfang schon passt. Sonst wird der Pullover unnötig weit.
Körper und Ärmel trennen
Stricke bis zum ersten Ärmelmarkierer. Lege die folgenden 50 Ärmelmaschen auf einen Hilfsfaden. Schlage für den Unterarm 6 Maschen neu an, stricke über das Vorderteil, lege den zweiten Ärmel still, schlage wieder 6 Maschen an und stricke über das Rückenteil zurück zum Rundenbeginn. Die beiden Unterarmstücke geben Bewegungsfreiheit und schließen die Lücke, die beim Trennen sonst entstehen würde. Achte darauf, die neu angeschlagenen Maschen nicht fester als nötig zu stricken.
Der Körper hat nun 140 Maschen. Stricke glatt rechts in Runden, bis die Arbeit ab der Achsel ungefähr 18 cm misst. Für den Abschluss wechselst du zur kleineren Nadel und strickst 1 rechts, 1 links etwa 5 cm. Kette elastisch ab. Soll der Pullover länger ausfallen, verlängerst du den glatten Abschnitt vor dem Bündchen. Ich messe dabei lieber am Kind oder an einem passenden Kleidungsstück als nur nach einer Tabelle: Bei gleicher Körpergröße kann der gewünschte Sitz erstaunlich verschieden sein.
Ärmel passend fertigstellen
Nimm die 50 stillgelegten Ärmelmaschen auf die größere Nadel. Nimm zusätzlich die 6 Unterarmmaschen auf und markiere die Mitte dieser Maschen als Rundenbeginn. Es sind jetzt 56 Maschen. An den Übergängen zum Körper können kleine Löcher entstehen. Wenn du dort jeweils eine zusätzliche Masche aus dem Querfaden aufnimmst, kannst du sie in der nächsten Runde mit einer Nachbarmasche zusammenstricken.
Stricke den Ärmel glatt rechts. Für eine leichte Verjüngung nimmst du in jeder zehnten Runde zweimal eine Masche ab: eine Masche nach dem Rundenbeginn und eine Masche kurz vor dem Ende. Wiederhole diese Abnahmerunde insgesamt achtmal. Damit bleiben 40 Maschen. Die Abnahmen kannst du etwas seltener oder häufiger setzen, falls der Ärmel bei der Anprobe anders sitzt; prüfe dabei, dass der Unterarm nicht zu eng wird.
Stricke bis der Ärmel ab der Achsel ungefähr 23 cm misst, oder bis etwa 4 cm vor der gewünschten Endlänge. Wechsle zur kleineren Nadel und arbeite 4 cm im 1-rechts-1-links-Bündchen. Kette elastisch ab und stricke den zweiten Ärmel genauso. Vergleiche die Längen, bevor du abkettest: Selbst wenn du die Runden sorgfältig zählst, kann eine kleine Abweichung beim Stricken in der Runde vorkommen.
Fäden, Waschen und kleine Anpassungen
Vernähe die Fäden auf der linken Seite, besonders an den Unterarmen, wo die Übergänge stärker beansprucht werden. Wasche den Pullover anschließend nach den Angaben des Garns und trockne ihn liegend. Ziehe ihn dabei nur behutsam in Form. Ein nasses Strickstück lässt sich leicht zu weit auseinanderziehen, und ein zu lang gezogener Ärmel bleibt nach dem Trocknen manchmal genau so lang.
Wenn du den Halsausschnitt lieber etwas höher magst, kannst du das Bündchen um einen Zentimeter verlängern. Für ein Kind, das empfindlich auf enge Kragen reagiert, ist dagegen ein besonders elastischer Anschlag oft hilfreicher als ein niedrigeres Bündchen. Notiere dir nach dem fertigen Pullover, wie viel Garn übrig geblieben ist und ob du Körper oder Ärmel beim nächsten Mal verlängern würdest. Solche kleinen Notizen sind nützlicher als eine perfekte Erinnerung – und machen den nächsten Pullover meist deutlich entspannter.
Ein schlichter Pullover dieser Art lässt sich gut im Alltag tragen, aber er ist auch ein guter Ausgangspunkt für eigene Änderungen: eine andere Bündchenfarbe, schmale Streifen oder ein kleines Motiv auf der Brust. Ich würde zuerst die Passform sichern und erst danach mit solchen Details spielen. Wenn ein Kind das fertige Stück gern anzieht, sieht man es dem Pullover an – nicht an komplizierten Mustern, sondern an den oft getragenen, weichen Bündchen und den Ärmeln, die genau richtig sitzen.
Foto von Yuliia Pakhomova auf Unsplash
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