Bei Mojo-Socken fällt zuerst die ungewöhnliche Oberfläche auf: Quer verlaufende Rippen wechseln sich mit glatten Abschnitten ab, und das Bündchen sitzt oft etwas lockerer als bei einer schlichten Socke. Beim Stricken merkt man schnell, dass dieses Muster nicht nur dekorativ ist. Es zieht sich zusammen, federt beim Tragen und verzeiht kleine Unterschiede in der Maschenprobe. Trotzdem sollte die Socke nicht einfach nach Schuhgröße gestrickt werden: Gerade bei der Länge machen ein paar Zentimeter den Unterschied zwischen bequem und ständigem Hochziehen.
Die folgende Anleitung ist für klassische vierfädige Sockengarne und ein Nadelspiel gedacht. Ich stricke die Mojo-Abschnitte als Wechsel aus vier Runden glatt rechts und vier Runden links. Das ergibt deutliche Querstruktur, ohne dass man während der Arbeit ständig zählen muss. Die Größenangaben sind Richtwerte; wer einen hohen Spann oder besonders breite Füße hat, sollte vor allem den Umfang prüfen.
Material und Maßnehmen
Du brauchst etwa 100 g vierfädiges Sockengarn, ein Nadelspiel in Stärke 2,5 mm und eine Wollnadel zum Schließen der Spitze. Mit 2,5 mm sollte die Maschenprobe glatt rechts ungefähr 30 Maschen und 42 Runden auf 10 cm ergeben. Ist dein Strickbild lockerer, nimm dünnere Nadeln; wird es deutlich fester, probiere eine halbe Nadelstärke mehr. Die Querstreifen verändern die Dehnbarkeit, deshalb messe ich die Maschenprobe im glatten Teil und ziehe sie nicht künstlich in die Breite.
Miss den Fußumfang an der breitesten Stelle, meist über dem Ballen, und die Fußlänge von der Ferse bis zur längsten Zehe. Für die Passform darf die fertige Socke im Umfang etwas kleiner als der Fuß sein: Das Gestrick gibt nach und soll nicht in Falten rutschen. Die Fußlänge in der Tabelle ist die tatsächliche Länge des Fußes, nicht die Länge der fertigen Socke bis zur Spitze.
| Schuhgröße | Fußumfang als Richtwert | Maschenanschlag | Fußlänge |
|---|---|---|---|
| 36/37 | 20–21 cm | 60 Maschen | 23–24 cm |
| 38/39 | 21–23 cm | 64 Maschen | 24,5–25,5 cm |
| 40/41 | 23–25 cm | 68 Maschen | 25,5–26,5 cm |
| 42/43 | 25–27 cm | 72 Maschen | 27–28 cm |
Die Größen überschneiden sich bewusst. Bei einem schmalen Fuß kann die kleinere Maschenzahl angenehmer sein, auch wenn die Schuhgröße eigentlich in die nächste Zeile fällt. Umgekehrt ist bei kräftigem Spann oder breitem Vorfuß die größere Zahl oft die bessere Wahl. Wichtig ist, dass die Maschenzahl durch vier teilbar bleibt, damit sie sich gleichmäßig auf das Nadelspiel verteilen lässt.
Bündchen und charakteristische Streifen
Schlage die für deine Größe angegebene Maschenzahl locker an und verteile die Maschen gleichmäßig auf vier Nadeln. Schließe zur Runde, ohne die Anschlagkante zu verdrehen. Für ein Bündchen, das gut hält, stricke etwa 4 bis 5 cm im Wechsel 2 rechts, 2 links. Wenn du lieber ein längeres Bündchen magst, kannst du es verlängern; die Musterstreifen beginnen erst danach und müssen nicht an einer bestimmten Höhe sitzen.
Für den Mojo-Effekt wiederholst du anschließend diese acht Runden: vier Runden alle Maschen rechts, dann vier Runden alle Maschen links. Wiederhole den Wechsel bis zur gewünschten Schafthöhe. Eine Runde links wirkt zunächst ungewohnt, wenn du sonst fast nur rechte Maschen strickst; sie ist aber einfach zu kontrollieren, weil sie als deutliche Erhebung auf der Außenseite erscheint. Achte darauf, beim Rundenwechsel den Faden nicht zu fest anzuziehen. Sonst kann sich dort eine sichtbare senkrechte Linie bilden.
Stricke den Schaft vom Bündchen bis zum Beginn der Ferse ungefähr 12 bis 16 cm, je nachdem, wie hoch die Socke sitzen soll. Bei einem sehr langen Schaft reichen 100 g Garn für beide Socken nicht immer, besonders bei großen Größen. Wenn du ein Paar mit deutlich über 16 cm Schaft planst, halte ein zweites Knäuel bereit oder stricke den Schaft etwas kürzer. Die Querstruktur verbraucht meist ein wenig mehr Garn als ein glatter Schaft.
Fersenwand und Fersenkäppchen
Für die Ferse werden die Maschen der ersten und vierten Nadel zusammengefasst. Die Maschen der zweiten und dritten Nadel bleiben für den Spann liegen. Damit besteht die Fersenwand aus der Hälfte aller Maschen: je nach Größe aus 30, 32, 34 oder 36 Maschen. Stricke über diese Maschen eine flache Fersenwand in Reihen. Eine einfache, strapazierfähige Variante ist: Hinreihe, eine Masche abheben, rechts stricken; Rückreihe, eine Masche abheben, links stricken. Wiederhole diese beiden Reihen, bis die Wand ungefähr 6,5 bis 8 cm hoch ist. Bei größeren Größen darf sie etwas höher ausfallen.
Für das Käppchen arbeitest du verkürzte Reihen. Stricke auf der rechten Seite bis kurz über die Mitte der Fersenwand, stricke zwei Maschen rechts zusammen und noch eine Masche rechts; dann wenden. Auf der Rückseite hebst du die erste Masche ab, strickst bis kurz über die Mitte und strickst zwei Maschen links zusammen, dann noch eine links und wendest wieder. In den folgenden Reihen arbeitest du jeweils bis zur Lücke der vorherigen Wendung, fasst die Masche vor und die Masche nach der Lücke zusammen und strickst noch eine Masche weiter. So werden die seitlichen Maschen nach und nach in das Käppchen aufgenommen. Arbeite weiter, bis keine seitlichen Maschen übrig sind.
Diese Formulierung lässt etwas Spielraum für die genaue Lage der Wendungen, denn Fersenwände fallen je nach Maschenprobe unterschiedlich aus. Entscheidend ist, dass die Abnahmen gleichmäßig auf beiden Seiten liegen und das Käppchen glatt anliegt. Wenn nach dem Wenden eine kleine Öffnung sichtbar bleibt, lässt sie sich beim Aufnehmen der Zwickelmaschen schließen.
Zwickel und Fuß mit Mojo-Muster
Stricke über die Käppchenmaschen und nimm anschließend entlang der ersten Seite der Fersenwand eine Masche aus jeder Randmasche auf. Bei einer abgehobenen Randmasche lässt sich meist gut aus jeder kleinen Randkette eine Masche aufnehmen. Stricke die Spannmaschen auf den beiden stillgelegten Nadeln im Muster weiter: Führe den Wechsel aus vier rechten und vier linken Runden fort. Nimm auf der zweiten Seite der Fersenwand ebenso viele Maschen auf wie auf der ersten, dann stricke über die restlichen Käppchenmaschen.
Durch die aufgenommenen Maschen ist die ursprüngliche Maschenzahl jetzt überschritten. Auf beiden Seiten des Spanns wird in jeder zweiten Runde abgenommen: Auf der ersten Nadel die letzten zwei Maschen rechts zusammenstricken, auf der vierten Nadel am Anfang zwei Maschen rechts verschränkt zusammenstricken. Die Spannmaschen bleiben im Muster. Wiederhole die Abnahmen, bis wieder die ursprüngliche Maschenzahl auf den Nadeln liegt. Wer einen hohen Spann hat, kann die Zwickelabnahmen langsamer arbeiten oder ein paar zusätzliche Zwickelrunden ohne Abnahme stricken.
Stricke den Fuß anschließend gerade weiter. Für eine gleichmäßige Passform ist die Länge wichtiger als eine feste Zahl von Runden: Miss von der hintersten Stelle des Fersenkäppchens bis zur Spitze der längsten Zehe. Beginne die Spitze etwa 4,5 bis 5 cm vor der gesamten Fußlänge. Bei einer sehr langen oder schmal zulaufenden Zehe kannst du früher anfangen; bei kurzen Zehen ist ein späterer Beginn oft bequemer.
Spitze schließen und Sitz prüfen
Für die Spitze verteilst du die Maschen wieder gleichmäßig auf vier Nadeln. Auf der ersten und dritten Nadel strickst du bis zu den letzten drei Maschen, dann zwei rechts zusammen und eine rechts. Auf der zweiten und vierten Nadel strickst du eine Masche rechts, hebst die nächste ab, strickst eine rechts und ziehst die abgehobene Masche darüber. Diese Abnahmerunde wiederholst du zunächst in jeder zweiten Runde, bis ungefähr die Hälfte der Maschen übrig ist. Danach nimmst du in jeder Runde ab, bis insgesamt 12 Maschen verbleiben. Ziehe den Faden durch die restlichen Maschen und vernähe ihn innen sorgfältig.
Vor der zweiten Socke lohnt sich eine kurze Anprobe. Die Ferse sollte unter dem Fuß sitzen, ohne nach hinten zu rutschen, und der Schaft darf sich über dem Knöchel nicht unangenehm zusammenziehen. Wenn die erste Socke am Spann spannt, liegt das häufig nicht am Schaftmuster, sondern an einem zu engen Zwickel oder einer zu kurzen Fersenwand. Notiere dir kleine Änderungen, bevor du das zweite Exemplar beginnst. Gerade bei Mojo-Socken ist die Struktur lebendig genug, dass ein Paar auch dann harmonisch wirkt, wenn du die Höhe oder den Streifenrhythmus leicht an deinen Fuß anpasst.
Am Ende zeigt sich der Reiz dieser Socken nicht nur in den markanten Querstreifen. Sie entstehen aus einer Reihe überschaubarer Entscheidungen: der passenden Maschenzahl, einer Ferse, die wirklich sitzt, und einer Fußlänge, die nicht nach der Tabelle allein bestimmt wird. Wenn du beim ersten Paar an einer Stelle kurz innehältst und nachmisst, strickst du das zweite meist schon viel selbstverständlicher – und genau darin liegt für mich der angenehme Rhythmus eines gut sitzenden Paars.
Aus alten Dingen etwas Neues zaubern, ungewöhnliche Materialien kombinieren und einfach mal ausprobieren. Perfektion ist dabei zweitrangig – viel spannender sind die kleinen Überraschungen auf dem Weg zum fertigen Stück.

